Sonntag, 21. Mai 2017

Kinder - Interview Petra Hillebrand







Kuhni hat vor kurzem das Kinderbuch „Glatzkopfzeit“ mit ihrem Sohn gelesen. Beide waren ziemlich begeistert, wie ihr in der Rezi
nachlesen könnt.

Da ihr Sohn einige Fragen zur Autorin hatte, war Petra Hillebrand so nett und hat mit ihm ein Kinderinterview geführt.





Liebe Petra,

vielen lieben Dank, dass du mir meine Fragen beantwortest.

Wolltest du schon immer Schriftstellerin werden?
Ja. Schon als Kind hegte ich den Wunsch, irgendwann ein Buch zu schreiben. An den Beruf „Schriftstellerin“ habe ich damals weniger gedacht. Mir war es bloß wichtig, etwas zustande zu bringen, das dann gedruckt wird, damit andere es lesen können… und im besten Fall sogar gut finden. Auch heute noch schreibe ich vor allem, weil es mir Spaß macht, nicht aber, um davon als Schriftstellerin zu leben. Ich habe noch einen „Brotberuf“ (Sozialarbeiterin), den ich gerne ausübe und mit dem ich mir meinen Lebensunterhalt verdiene.
Mittlerweile habe ich 6 Bücher veröffentlicht, wobei „Glatzkopfzeit“ mein erstes Kinderbuch ist. Ich bin sehr stolz, dass mir das gelungen ist, denn für Kinder zu schreiben ist anspruchsvoll. Zu Recht wird das Kinderbuchschreiben von vielen als „Königsdisziplin“ bezeichnet.

In dem Buch geht es ja um Kinder, die an Leukämie erkrankt sind. Wie bist du auf die Idee gekommen, ein Kinderbuch über diese Erkrankung zu schreiben?
Da ich im Krankenhaus auf einer onkologischen Station arbeite (das ist eine Station, wo Menschen, die an Krebs erkrankt sind, behandelt werden), war es recht naheliegend, dieses Thema aufzugreifen. Auch deshalb, weil mich die Arbeit mit Krebskranken sehr berührt und ich schon vieles von den Frauen, die ich auf ihrem Weg begleiten durfte, gelernt habe. Da ich ein Buch für Kinder schreiben wollte, habe ich als Hauptfigur ein Mädchen gewählt, das selbst an Krebs erkrankt. Hierfür musste ich auch einiges in Erfahrung bringen, denn auf der Kinderstation geht es natürlich ganz anders zu als bei uns und auch die Therapien verlaufen anders.

 Kennst du ein Kind was an Leukämie erkrankt ist?
Im Moment kenne ich keines persönlich. Aber ich habe kürzlich einige junge Frauen kennengelernt, die als Kind oder Jugendliche Krebs hatten und jetzt als „Survivors“ auf die Kinderonko gehen, um die Kinder dort zu besuchen. Ich finde ihren Einsatz toll und glaube, dass sie den Kindern, die gerade erkrankt sind, Mut und Hoffnung geben können.

Ich fand das Buch ja so toll und hätte sehr gerne noch mehr gelesen. Wird es noch einen weiteren Band geben?
Nein, wird es nicht. Dieses Buch ist in sich abgeschlossen und ich glaube, es wäre schwierig, den Verlag davon zu überzeugen, dass es hier eine Fortsetzung braucht. Aber vielleicht magst du es ja versuchen und dir überlegen, was Jana, Max und Sophie sonst noch alles erleben könnten (das kannst du mir dann gerne schicken J). Ich hab mich unglaublich gefreut, dass du Jana und ihre Freunde so fest ins Herz geschlossen hast, dir deshalb sogar einen Band 2 gewünscht hättest. Das war das größte Kompliment, das du mir machen konntest.

Schreibst du schon an einem neuen Buch?
Ja. Und ich glaube, es würde dir gefallen. Die Hauptfigur dieses Buches ist der 9-jährige Leo, der auch so unternehmungslustig ist, wie Jana. Er hat eine Oma, die er liebt und die eines Nachts plötzlich verschwindet und dann ganz verändert zurückkommt. Sie vergisst sehr vieles und behauptet, sie hätte Löcher im Kopf. Leo überlegt sich, woher diese Löcher stammen könnten und hat schon bald einen bösen Verdacht. Doch niemand glaubt ihm. Mehr verrate ich jetzt nicht. Mal sehen, was daraus wird…

Wie lange schreibt man ungefähr an einem Buch?
Da gibt es keine allgemein gültigen Antworten. Es gibt natürlich auch Schnellschreiber – zu denen gehöre ich aber eindeutig nicht. Das liegt vor allem daran, dass ich eine Familie habe (zwei Kinder, einen Mann, eine Katze, drei Schildkröten und zwei Wellensittiche), mit denen ich viel Zeit verbringe. Und dann bin ich ja auch noch berufstätig, versuche Freundschaften zu pflegen usw. Zum Schreiben bleibt da oft wenig Zeit (meist schreibe ich spät abends oder sehr zeitig in der Früh).
Das Buch „Glatzkopfzeit“ habe ich von März bis Oktober 2014 geschrieben. Danach war ich fast eineinhalb Jahre damit beschäftigt, einen Verlag zu finden, der bereit war, mein Buch in sein Programm aufzunehmen und es zu drucken. Dann brauchte es noch die Illustrationen (Zeichnungen), aufwendige Korrekturen, ein entsprechendes Layout usw.
Du siehst also – bis ein Buch wirklich gedruckt wird, vergehen meist Jahre. Somit wäre ein Band 2 von „Glatzkopfzeit“ für dich vermutlich schon wieder uninteressant, weil du bis dahin sicher ganz andere Bücher liest.

Gibt es eigentlich einen Lieblingsplatz an dem du schreibst?
Ja. Im Refugium, einem lichtdurchfluteten Raum im zweiten Stock bei mir zuhause. Von meinem Computerarbeitsplatz aus, blicke ich direkt auf das große Freigehege unserer Wellensittiche, die bereits frühmorgens angeregt miteinander zwitschern und fliegend ihren Spaß haben.

Ich hoffe, du bist mit meinen Antworten zufrieden. Wenn du noch mehr wissen möchtest, dann melde dich einfach.

 
Das Foto ist bei einer Lesung in Zirl, wo ich im April mein Buch „Glatzkopfzeit“ vorgestellt und mit den Teilnehmern das Spiel „Schimpfwörterdart“ gespielt habe (wenn du genau siehst, siehst du sogar noch zwei Dartpfeile)entstanden. Die Personen, die dort abgebildet sind, haben mir erlaubt, es öffentlich zu verwenden (ich bin die hinten mit dem blauen Pullover und dem Buch in der Hand)





Liebe Grüße
Petra

Vielen lieben Dank, an Petra für dieses tolle Interview